Binokularsehen

 

Unter Binokularsehen versteht man die Zusammenarbeit eines Augenpaares. Ein gutes Zusammenspiel eines gesunden Augenpaares hat  3D Sehen zu Folge sowie gute Orientierung und präzises Sehen im Raum (Nähe und Ferne). Eine ungenaue Zusammenarbeit kann dagegen die räumliche Wahrnehmung stark beschränken.

Das Sehen beinhaltet weit mehr als nur das „scharf Sehen“. Es kann durchaus vorkommen, dass man trotz scharfer Sicht Kopfschmerzen, Unschärfen beim Lesen, Gleichgewichtsprobleme, allgemeines Unwohlsein oder andere Beschwerden haben kann, welche im Sehsystem ihren Ursprung haben.

Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns mit dieser Problematik, dass gerade kleine Abweichungen im Zusammenspiel der beiden Augen grosse Beschwerden hervorrufen können. Viele dieser Abweichungen sind durch eine medizinische Kontrolle nicht auffindbar. Da es nicht ein eigentlich medizinisches Problem sein muss. Bei uns werden sie jedoch durch verschiedene Teste sichtbar und je nach Art und Grad mit einer der untenstehenden Möglichkeiten gemessen und korrigiert.

Die folgenden Beschwerden sind typisch für ein binokulares Ungleichgewicht:

  • Kopf- und Nackenschmerzen
  • Legasthenieähnliche Lese- und Schreibschwierigkeiten
  • Lichtempfindlichkeit
  • Zeitweise Unscharf- oder Doppelsehen
  • Schlechte Konzentration, schnellere Ermüdung
  • Unsicherheit im Gleichgewichts- und Distanzsinn

Untersuchungsmethoden:

Es gibt verschiedene Methoden, um ein nicht funktionierendes Binokularsehen testen und korrigieren zu können. Die Folgenden wenden wir hier an:

Funktionsteste:

Das Zusammenspiel der Augen, sowie die Augen- Handkoordination bei alltäglichen Seh- Eindrücken und Bewegungen wird überprüft.

Polatest/ Messung nach MKH:

Eine Messung der konkreten Abweichung im Zusammenspiel der beiden Augen. Mit diesem Messverfahren kann ein „verstecktes Schielen“ (latentes Schielen Heterophorie, Winkelfehlsichtigkeit) entdeckt und ihre Grösse bestimmt werden. Diese Abweichung kann dann mit einer Brille korrigiert werden.

Wenn die Funktionalteste jedoch auf zusätzliche Haltungsfehler, Unregelmässigkeiten in der Muskelspannung oder Sehleistung oder auf andere Fehlfunktionen der Augen oder des Hand/Augensystems hinweisen, können noch weitere Messungen indiziert sein.

OEP Messung:

Eine Messmethode die sich aus 21 verschiedenen Testen zusammensetzt. Sie reizt die Flexibilität, bzw. die Reserven des Augensystems aus und zeigt auf, wo es an Kraft oder Präzision mangelt. Auch eignet sich der Test gut um festzustellen, ob ein Visualtraining empfohlen werden kann. Damit werden auch die Veränderung durch ein solches Training kontrolliert und überwacht.

Funktionaloptometerie / Visualtraining

Was ist Funktionaloptometrie?

Die Verhaltens- oder Funktional- Optometrie ist ein Teilgebiet der Optometrie bzw. der Augenoptik. Es befasst sich mit der ganzheitlichen Be­trachtung des Sehens und der Wahrnehmung. Die Funktionaloptometrie gibt es in der USA seit etwa 1950 und ist später im deutschsprachigen Raum weiterentwickelt worden. Es ist aber auch in der Augenoptik immer noch ein Spezialgebiet. In der Schulmedizin (Augenheilkunde) ist das optometrische Training in diesem Sinne nicht be­kannt. Es kann daher als Alternativtherapie be­trachtet werden.

Beschwerden

Das Sehen setzt sich aus weit mehr Teilen zu­sammen als nur dem „Scharf-Sehen“. Es kann durchaus vorkommen, dass man trotz scharfer Sicht Kopfschmerzen, Unschärfen beim Lesen, Gleichgewichtsprobleme, allgemeines Unwohlsein, oder andere Beschwerden haben kann, welche im Sehsystem ihren Ursprung haben.

Mit den Ursachen dieser Probleme beschäftigt sich die Funktionaloptometrie. Hier wird vorallem die Informationsverarbeitung des Körpers untersucht. – Was geschieht im Auge bzw. Gehirn mit einem gesehenen Objekt?

Nicht selten kommt es vor, dass die beiden Augen, wenn sie nicht optimal zusammen schauen, auf ein und demselben Bild unterschiedliche Dinge wahrnehmen. Das Gehirn, welches diese Informationen zu verarbeiten versucht kann damit überfordert sein.

Bei welchen Beschwerden kann ein optometrisches Training helfen?

  • Anstrengungsgefühl
  • Ermüdung
  • Tränen
  • Augenbrennen
  • Gerötete Augen
  • Kopfschmerzen
  • Zeitweiliges Unscharf- oder Doppelsehen

bei Kindern auch:

  • Langsames Lesen
  • Vertauschen von Buchstaben, Silben und Wörtern
  • Flüchtigkeitsfehler beim Abschreiben
  • Unregelmässiges Schriftbild
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Nicht gerne Ausmalen und Ausschneiden
  • Schwierigkeiten beim Ballspielen
  • Häufiges Stolpern

Visueller Input ≠ Visueller Output

Der visuelle Input ist, was die Augen vorgesetzt bekommen (z.B. einen Blumenstrauss). Der visuelle Output ist, das was das Individuum daraus wahrnimmt (z.B. Die Farbe, einzelne Blumen, schön, nicht schön usw.). Meistens sind das nur Bruchteile vom Ganzen, nämlich das was dem Beobachter gerade in diesem Moment wichtig ist, oder wie es ihm möglich ist den Gegenstand zu sehen (Entfernung, Beweglichkeit, Farbenblindheit…)

Es ist festzuhalten, dass diese Informationen, der In- und der Output, praktisch nie deckungsgleich sind, aber im Normalfall reichen die Output-Informationen für das tägliche Leben.

Wenn  die Augen nicht gut zusammen arbeiten und dadurch das Objekt nicht richtig wahrgenommen werden kann, zum Beispiel bei starker Blendung, unruhiger Sicht oder anderen Wahrnehmungsstörungen kann ein Gegenstand an einem anderen Ort oder in einer anderen Lage wahrgenommen und nicht richtig eingeschätzt werden. Das gesehene Bild wird nicht richtig verarbeitet und benutzt. So kann es schwierig sein, im Alltag die einfachsten Situationen zu meistern.

Was ist Visual Training / optometrisches Training  ?

Visual Training besteht aus gezielten Übungen für Ihre Wahrnehmung. Nicht nur Ihre Augen, sondern auch die Verarbeitung der Informationen werden dabei geschult. Dabei wird in vier Bereichen gearbeitet:

  • Augenbewegung
  • Augenstellung auf das Fixierobjekt
  • Nah-Fernstärkeneinstellung
  • Bildverarbeitung, Begreifen

Wie läuft die Abklärung und das optome­trische Training ab?

In einer umfassenden optometrischen Kontrolle prüfen wir zuerst, ob eine allfällige „normale“ Kor­rektur und/oder eine Winkelfehlsichtigkeit besteht (siehe Information „Winkelfehlsichtigkeit“).

Zusätzlich werden jedoch noch Messungen zur Funktion des Auges im Verhältnis zum Körper durchgeführt. Die Wahrnehmung und der Umgang mit dem Gesehenen wird überprüft, das heisst der visuelle Input- und Output.

Nach der Auswertung dieser Teste wird besprochen, ob eine Brille und/oder ein optometrisches Training die grössere Chance auf Besserung verspricht.

Falls ein Training empfohlen wird, wird mit einem Fragebogen und bei einem weiteren Termin, nochmals die Systembelastung der Augen überprüft. Damit wird eine Grundlage geschaffen um später Fortschritte messen zu können.

Der Aufwand für ein Training

Während des Trainings werden Sie an fünf Tagen pro Woche zu Hause jeweils 15 Minuten Übungen machen. Alle ein- bis zwei Wochen (je nach dem Trainingsverlauf) findet dann eine 45-Minütige Trainingseinheit bei uns statt, in welcher die Übungen kontrolliert verfeinert und neue Aufgaben gegeben werden.

Jeweils nach sechs Sitzungen werden wir eine Kontrollmessung durchführen, um den bisherigen Erfolg festzuhalten und das weitere Vorgehen zu bestimmen.

Bei diesen Sitzungen kann das Training auch immer wieder angepasst und auf persönliche Wünsche und Situationen eingestellt und umgestellt werden.

Je nach Beschwerden und Trainingsverlauf sollten nach 21 Sitzungen die Übungen integriert sein, das heisst, dass Sie im Alltag unbewusst richtig schauen und Ihr System und Ihre Augen richtig benutzen. Danach sollten keine Übungen mehr notwendig sein.

 Wichtig

  • Damit der gewünschte Erfolg eintreten kann, sollte das Training konsequent durchgeführt werden.
  • Wie bei jedem Training (wie zum Beispiel auch im Fitnesscenter) können Ermüdungserscheinungen (Muskel­kater) auftreten.
  • Überfordern sie sich und Ihre Augen nicht – lieber viele kleine Erfolge als eine grosse Ent­täuschung.
  • Die empfohlenen Nachkontrollen sollten einge­halten werden.

Was erwartet werden kann

Die am Anfang gemessenen visuellen Leistungen sollten merklich verbessert werden. Dadurch ermöglicht sich ein entspannteres bzw. besseres Sehvermögen und daraus wiederum eine generelle Leistungssteigerung in praktisch allen täglichen Herausforderungen. Dies aufgrund der Tatsache, dass sie Ihre Augen überall und für alles richtig und bewusst einsetzten und gebrauchen.

Was nicht erwartet werden kann

Bitte erwarten Sie durch das Training keine sofortige Verbesserung in der Schule oder Ihrer Arbeit. Es braucht Lernen und Üben. Bitte seien Sie mit sich selbst geduldig. Erwarten Sie den Erfolg nicht in Tagen oder Wochen. Er kann sich auch erst nach einigen Monaten einstellen.

Kosten

Eine Sitzung kostet bei uns 130.- Fr. inkl. Material: Es wird je nach Wunsch im Voraus oder fortlaufend jeweils nach 3-4 Sitzungen abgerechnet.

Die Sehteste vor dem Training werden separat verrechnet.

Sind Sie interessiert?

Wir möchten Sie kompetent und individuell beraten. Je nach Ausgangslage bieten wir Ihnen eine Brillenkorrektion und/oder das Visual Training an! Eine Beurteilung Ihrer Augenfunktion erhalten Sie von uns nach dem ersten Sehtest. Dann können wir Ihnen eine Empfehlung für das weitere Vorgehen und eine ungefähre Verlaufsprognose geben.

 

Polatest und MKH

Der „Polatest“ ist ein spezielles Gerät, mit dem man das beidäugige Sehen testen kann. Eigentlich heisst die Testmethodik selbst „MKH“ (Mess- und Korrektionsmethode nach Haase). Allgemein ist aber der Begriff „Polatest“ bekannter.

Es gibt verschiedene Methoden, das Zusammenspiel der Augen zu messen. Bei eigentlichen Schielfehlern ist es relativ einfach: In der Regel sind es grosse Abweichungen in der Blickrichtung der beiden Augen. Dies lässt sich auch mit dem Polatest messen. Es sind sind aber neben den eigentlichen Schielfehlern auch kleinere Abweichungen messbar, die oft als „verstecktes Schielen“ bezeichnet werden, weil sie nicht offensichtlich sichtbar sind. Hier sind zwar die beiden Augen aufeinander ausgerichtet, so dass ein gemeinsames Bild entsteht, aber es wird eine ständige Anstrengung benötigt um diese Ausrichtung aufrecht zu erhalten.

Bei der „MKH“ wird die Parallelstellung der Augen mit Hilfe von Stereobildern geprüft. Der korrekte Name für diese Abweichung ist dann „Fixationsdisparation“ oder auch „Winkelfehlsichtigkeit“. Im englischen Sprachgebrauch entspricht dies einer „Associated Phoria.

Was ist so speziell an diesem Test?

Was man wissen muss ist, dass stärkere Beschwerden in der Regel von den kleinen und nicht von den grossen Abweichungen verursacht werden. Bei den grossen Fehlern schauen die Augen nicht mehr zusammen. Dadurch entsteht ein mehr oder weniger sichtbares Schielen. Dies wird in der Regel weniger belastend empfunden, als die kleinen Abweichungen, wo unbewusst versucht wird die Differenz zu korrigieren, was zu Verkrampfungen führen kann. Dies kann unter anderem Kopfschmerzen, Nackenbeschwerden oder legasthenieähnliche Probleme zur Folge haben.

Lese- und Schreibprobleme können entstehen, wenn sich die Augen nicht im Gleichtakt (das heisst mit unterschiedlichen Sakkaden) durch einen Text bewegen. Wenn ein Auge immer wieder „zurückspringt“ um seine Muskelverkrampfung zu lösen, kann die Wahrnehmung beispielsweise nicht mehr zwischen „b“ und „d“ unterscheiden.

Die MKH ist so präzise, dass bei etwa 80 % der Augenpaare eine Fehlstellung der Augen gemessen wird. Es ist deshalb ausserordentlich wichtig, dass diese Messungen auch richtig beurteilt werden. Nicht in jedem Fall ist es nötig, eine entsprechende Brillenkorrektur vorzunehmen. Ob gemessene Werte korrigiert werden müssen ist abhängig von der individuellen Sehqualität und dem Wohlbefinden der betroffenen Person.

Von Fachleuten, welche die „MKH“ bzw. den Polatest nicht anwenden, hört man oft die Kritik, mit mit dieser Methode würden prismatische Werte künstlich hochgetrieben. Tatsächlich liegen aber 80 % der gemessenen Abweichungen unter 4 cm auf einen Meter Distanz.

Bildlich gesagt: Bei Halsschmerzen müssen die Mandeln nicht in jedem Fall operiert werden. Trotzdem muss man dies aber bei wiederholten, anhaltenden, starken Schmerzen in Betracht ziehen.

Eine MKH dauert 30 bis 60 Minuten. Obwohl das Polatestgerät in der Schweiz oft eingesetzt wird, wird diese Messmethode nicht verbreitet angewendet.

Die Werte die mit diesem Test ermittelt werden, sind sehr gut reproduzierbar. Es ist aber möglich, vor allem bei älteren Verspannungen der Augenmuskulatur, dass diese nicht auf Anhieb gelöst werden können. In solchen Fällen ist innerhalb von Wochen oder Monaten mit einer Nachkorrektur zu rechnen.

Wie sieht eine solche Korrektur aus?

Eine Fixationsdisparation lässt sich in der Regel nur mit einer Brille und nicht mit Kontaktlinsen korrigieren. Die Gläser werden, entsprechend dem gemessenen Wert, keilförmig (prismatisch) geschliffen, so dass beide Augen ohne Anstrengung aufeinander ausgerichtet sehen können.

PRISMEN_KORREKTUR

Wann kann diese Korrektur helfen?

Beschwerden, die mit solchen Sehfehlern im Zusammenhang stehen können:

Kopf- und Nackenschmerzen, Lidrandentzündungen, legasthenieähnliche Lese- und Schreibschwierigkeiten, Lichtempfindlichkeit, Unsicherheit im Gleichgewichts- und Distanzgefühl.

Die Erfolgsquote (das Beseitigen oder deutliche Reduzieren der Beschwerden) ist, je nach Statistik, mit 70% bis 97,5% ausserordentlich hoch

Korrekturen nach MKH, die im Kindesalter gegeben worden sind, können sehr oft im Laufe des Wachstums wieder reduziert werden. In den meisten Fällen ist nach Beendigung des Wachstums keine prismatische Korrektur mehr nötig.

Es gibt allerdings auch etwa 5% der Betroffenen, die sehr hohe Werte erreichen und später unter Umständen nicht mehr prismatisch korrigiert werden können und eine Schieloperation benötigen. Dies ist aber ein Routineeingriff, bei dem das Auge nicht geöffnet werden muss.

Das heisst, mit dieser Korrektionsart haben wir eine sehr hohe Erfolgsrate, für meist schwer behandelbare Beschwerden, mit einem kleinem Risiko eines medizinischen Eingriffs.

Begriffe:

Polatestdas                      Das Messgerät

MKH                                 Die Messmethode

Fixationsdisparation     Der gemessene Fehler

Winkelfehlsichtigkeit     Der gemessene Fehler

Prisma                               Der Korrekturwert